Mit seiner Eigenmarke Kiprun will der Sportdiskounter Decathlon denselben Weg beschreiten wie mit der Radmarke Van Rysel. Also konkurrenzfähige Produkte zu einem deutlich günstigeren Preis als bei den großen Marken. Im Vorjahr hat man mit dem Race Ultra 2 (Test) einen ersten Vorboten auf den Markt gebracht, heuer lassen es die Franzosen aber richtig krachen und wollen mit dem Kipsummit Race in die Liga der Trail-Supershoes aufsteigen. Ist ihnen das gelungen?
Der erste Eindruck
Ich muss wirklich gestehen, dass mich Decathlon mit den Kiprun 2026er Modellen sehr überrascht hat. Allein schon optisch spielen sie in einer vollkommen anderen Liga als ihre bisherigen Schuhe. Die sahen eher brav und günstig aus, das ist Vergangenheit. Die Kipsummit-Serie knallt optisch rein, mit modernem und auffälligem Design. Es gibt vom Kipsummit den Race und den Max. Wobei der Race das Topmodell mit Carbonplatte ist. Auffällig sind die Sockenkonstruktion und der massive Rocker. Geschnürt wird mit Schuhbändern, die etwas Struktur haben, damit sie sich nicht leicht lösen. Der Drop liegt bei 6 mm und das Gewicht kann sich mit 250 Gramm in Größe UK 42,5 sehen lassen. Im Gegensatz zu anderen Carbon-Trailschuhen kostet der Kiprun allerdings lediglich knapp 170 Euro. Es gibt den Schuh in zwei Farben und sowohl für Herren als auch für Damen.

Die Passform
Hier geht Kiprun beim Kipsummit Race den mutigen Weg der Sockenkonstruktion. Mutig deshalb, weil die nicht jedem passt, und das wird auch bei dem Schuh so sein. Zudem ist das Anziehen meist etwas umständlicher, was dann bei einem Ultra mühsam sein kann. Mit hohem Rist wird es deshalb schwierig. Mir passt der Schuh gut und nach ein paar Mal anziehen, schlüpft man auch etwas leichter rein. Das Obermaterial ist zu Beginn etwas hart, aber auch das wird nach ein paar Läufen besser und der Schuh lässt sich immer besser anpassen. Man braucht aber etwas Übung, bis man ihn wirklich so hat, wie man ihn haben will. Dann ist der Sitz im Schuh allerdings hervorragend. Der Vorfuß ist breit, damit hat man auch nach Stunden noch Platz. Allerdings ist der Vorfußbereich nicht sehr hoch. Bei mir auch kein Problem, aber sollte man beachten. Mich beeindruckt die breite Sohle und welch sicheres Gefühl man gleich mit dem Schuh hat. Der Schnitt ist leicht kleiner, also würde ich eine halbe Nummer größer empfehlen oder anprobieren, was bei dem Schuh besonders viel Sinn ergibt.

Die Sohle
Dick und breit, so lässt sich die Sohle des Kiprun Kipsummit Race kurz beschreiben. Als Dämpfungsschaum kommt der sogenannte Fastech+ zum Einsatz. Übersetzt ist das ein SCF-Schaum aus 100 % aTPU. Also ein superkritischer, thermoplastischer Polyurethan-Schaum. Dieser Schaum ist leicht, elastisch, langlebig und temperaturstabil, was eine dynamische, energierückgebende, aber trotzdem kontrollierte Dämpfung ermöglicht. Dazu hat der Schuh noch einen sehr ausgeprägten Rocker, besonders hinten. Zwischen den Schaumschichten ist eine patentierte Carbonplatte integriert. Sie soll Stabilität und eine effiziente Abrollbewegung fördern. Dass trotz des Preises nicht gespart wurde, zeigt auch, dass Kiprun bei der Außensohle einen Vibram Megagrip Litebase-Gummi mit Traction Lugs verwendet. Die Stollen sind 4 mm lang und quer angelegt.

Persönlicher Eindruck
Schon auf den ersten Metern wird klar: Der Kiprun Kipsummit Race läuft sich so ganz anders als die bisherigen Schuhe der Marke. Der Race Ultra 2 gab im vergangenen Herbst zwar einen leichten Vorgeschmack, aber der Race ist noch einmal deutlich anders. Der Rocker ist nicht nur optisch auffällig, sondern auch beim Laufen. Über den Vor- und Mittelfuß gelaufen, zeigt sich der Schuh sehr lauffreudig und lässt einen gleich schneller laufen, als man eigentlich vorhatte. Dazu trägt auch die Dämpfung im Vorfuß bei, die eine sehr angenehme Dynamik zeigt mit leichtem Bounce. Besonders Spaß macht der Schuh dann auf normalen, nicht extrem technischen Trails.
Durch die breite Auflage fühlt man sich hier extrem sicher und der Vortrieb ist sehr angenehm. Selbst auf Wurzeln und Stein zeigt sich der Schuh souverän. Was er allerdings nicht mag, sind winklige Trails, dafür ist er zu breit. Technische Trails sind nicht das Problem, nur wenn sie zu eng werden. Denn trotz Carbon ist immer noch Gefühl für den Untergrund da und die Sohle ist nicht extrem weich, sondern hat einen guten Druckpunkt. Der Grip ist wie von Vibram gewohnt stark, egal ob auf nassem Fels, Wurzeln, Waldboden oder Schotter, man kann sich immer auf den Schuh verlassen. An die Grenzen kommt er auf schmierigem Untergrund und wenn es sehr tief wird. Der starke Rocker hat aber auch seine Nachteile, etwa im steilen Downhill, da hat man gefühlt erst ein wenig später Kontakt zum Boden und für Fersenläufer ist er auch nicht ideal.
Pro&Contra
Pro: lauffreudig, angenehme Dynamik und Bounce im Vorfuß, super Grip, starkes Preis-Leistungs-Verhältnis
Contra: Die Sockenbauweise passt nicht jedem, das Obermaterial ist etwas steif und braucht Einlaufzeit

Fazit Kiprun Kipsummit Race
Wie läuft sich also der Trail-Supershoe ohne 250 Euro+ Preis also? Ich muss gestehen, dass mich die Optik des Kiprun Kipsummit Race beeindruckt und die Latte plötzlich viel höher gelegt hat als bei den bisherigen Decathlon-Schuhen. Und ich kann’s gleich verraten: Er hat mich nicht enttäuscht. Der Schuh macht richtig Spaß beim Laufen. Dank des Rockers und der dynamischen Dämpfung sorgt er für angenehmen Vortrieb.
Die breite Sohle mit Vibram bringt dazu den notwendigen Grip und ein sicheres Gefühl. Man hat das Gefühl, mit dem Schuh einfach nicht umknicken zu können. Das macht ihn sogar für technischere Trails geeignet, solange sie nicht zu schmal und winkelig sind. Denn Platz braucht der Schuh schon. Aber für die schnelle Hausrunde ist er ohnehin nicht gedacht. Er mag’s gerne lang und gibt dabei ein hervorragendes Gefühl. Einschränkungen gibt’s nur durch die Sockenbauweise, denn die passt nicht jedem. Also, ein hoher Rist ist schon mal ein Ausschlussgrund. Und auch die eher flache Bauweise im Vorfuß sollte beachtet werden, das kann zu Reibung auf den Zehenrücken führen. Das etwas steife Obermaterial wird zudem nach ein paar Läufen etwas weicher.
„Der Kiprun Kipsummit Race ist eine spannende, günstigere Alternative zu den Trail-Supershoes am Markt. Ich war sehr überrascht und bin wirklich begeistert von dem Schuh.“
Herstellerdetails
Mehr Infos zum Kiprun Kipsummit Race findet ihr hier








Transparenzhinweis: Das Produkt wurde mir für diesen Test vom Hersteller zur Verfügung gestellt. Damit ist aber keinerlei Einfluss auf das Ergebnis des Tests verbunden.


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