Interview Robert Schlemer, Produktmanager Ski bei Dynafit

© Dynafit

Training ist nicht alles. Beim Skitourengehen/Skibergsteigen spielt auch das Material eine große Rolle, vor allem bei einem Rennen wie der Sellaronda. Ich wollte deshalb etwas mehr zum Thema Ski erfahren und hab mir dazu einen Profi für ein Interview geholt. Robert Schlemer, seines Zeichens Produktmanager bei Dynafit stand mir Rede und Antwort.

auffimuasi: Worauf kommt es bei der Auswahl des Skis für die Sella Ronda an?

Schlemer:  Das perfekte Zusammenspiel aus geringstmöglichem Gewicht in Kombination mit einer guten Abfahrtsperformance. Das Gewicht bewegt sich hier bei ca. 700g pro Ski. Unser neuer Carbon Rennski zum Beispiel, der DNA, wiegt gerade einmal 690g.

auffimuasi: Wie entscheidend ist die Ausrüstung generell bei einem Rennen wie der Sella Ronda?

Schlemer:  Die eigene Ausdauer, Motivation und das Durchhaltevermögen ist das Fundament für die Sella Ronda. Jedoch die richtige Ausrüstung und das Fine Tuning der Ausrüstung ist einer der wichtigsten Bausteine des Erfolgs, welcher entscheidend ist, ob man überhaupt ins Ziel kommt.

auffimuasi: Von außen sehen der Ski ja alle sehr ähnlich auch, bis auf die Breite. Wo sind die wesentlichen Unterschiede?

Schlemer:  Die Breite der Rennski ist ca. bei 65mm +/- 2mm unter der Bindung. Wir haben bei unserem Rennski 64mm unter der Bindung. Dadurch hat das Standard-Rennfell exakt 1mm Abstand zur Stahlkante vom Ski und garantiert das beste Verhältnis aus Grip und Glide.

Der Radius von einem Rennski ist zu gewöhnlichen Tourenski um einiges größer. Er ähnelt nahezu einem Super G Modell. Da es im Rennen nur darauf ankommt der Schnellste von A nach B zu sein, mit geringstmöglichem Kraftaufwand, werden nur die nötigsten Schwünge gemacht und diese sind meist sehr lang. Schönes Carven wird hier eher vernachlässigt.

Außerdem hat der Rennski meist eine hohe positive Vorspannung. Dadurch wirkt der Ski bei jedem Schritt bergauf wie eine Feder und gibt dem Rennläufer zusätzliche Energie, ähnlich wie ein Langlaufski.

Robert Schlemer © Dynafit

auffimuasi: Wenn Ihr einen neuen Ski entwickelt, womit beginnt Ihr dann?

Schlemer:  Ein Rennski ist ein sehr spezielles Produkt. Es kommt darauf an, so schnell wie möglich mit dem geringstmöglichen Kraftaufwand von A nach B zu kommen. Schönes Skifahren ist absolute Nebensache. Hier benötigt man Feedback von den besten Athleten, welche ohne weiteres 200.000Hm im Jahr auf Skiern unterwegs sind. Wir sammeln hier zu jeder Zeit so viel wie möglich Feedback. Denn tatsächlich beginnt nach dem finalen Ski schon wieder die Vorbereitung für den nächsten Ski. Nach dem Skibau ist vor dem Skibau.

auffimuasi: Der Skitourensport hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert, wie hat sich das auf die Ski ausgewirkt?

Schlemer:  In den letzten Jahren gab es große Sprünge bei der Abfahrtsperformance von Tourenskiern. Mittlerweile kann es ein Tourenski in Bezug auf die Abfahrtsperformance nahezu mit einem Alpinski aufnehmen. Einzig das Gewicht unterscheidet sich von einem schweren Alpinski zu einem leichten Tourenski.

auffimuasi: Nicht nur die Rennski werden immer leichter, auch die normalen Tourenski. Wo ist hier die Grenze, wie leicht kann es noch werden?

Schlemer:  Jeder Tourengeher hat mehr Spaß im Aufstieg wenn er mit leichterem Material unterwegs ist. Man spart sich somit Energie oder/und ist schneller auf dem Gipfel. Die gesparte Energie hat man dann zusätzlich für den Abfahrtsspaß zur Verfügung.

Wir hatten vor knapp 10 Jahren mit dem Broad Peak schon Skier unter 1.100g bei 75mm Mittelbreite. Die Grenze des machbaren in Bezug auf Gewicht reglementieren zum einen die internen Vorgaben auf Deformation, Ausrisskräfte, Bruch, Biege- und Torsionssteifigkeit. Zum anderen ist das oberste Ziel immer einen Ski zu entwickeln, welcher für die spezifische Zielgruppe am besten funktioniert. Ich denke in puncto Gewicht wird es zukünftig keine großen Quantensprünge mehr geben.

auffimuasi: Geht ihr zum Beispiel beim Rennski Kompromisse ein was die Haltbarkeit betrifft?

Schlemer:  Wir haben hier unsere internen Normen aus verschiedensten Parameter wie Bruchkraft, Torsionssteifigkeit, Deformation etc. . Diese Normen werden nicht unterschritten da Rennläufer mitunter auch mal mit 100km/h bergab unterwegs sind. Natürlich kann man den Ski nicht mit einem Freerideski vergleichen und man sollte keine 10m Felsen runter springen.

Robert in Action. © Daniel Zangerl

auffimuasi: Wohin geht die Reise bei den Tourenski. Was sind die Trends in den kommenden Jahren?

Schlemer: Die Performance wird sich immer mehr einem Alpinski annähern, jedoch bei weit geringerem Gewicht. Ansonsten muss man sich überraschen lassen, was die Zukunft bringt. Wir haben auf jeden Fall noch vieles vor in Zukunft.

auffimuasi: Hast du noch einen Tipp für mich für die Sella Ronda?

Schlemer: Die Sella Ronda hat viele flache Anstiege. Dementsprechend solltest du auch flache Steigungen beim Training mit einbauen. Außerdem unbedingt deine Ski wachsen, Felle wachsen und dann bleibt nur noch trainieren, trainieren, trainieren.

Viel Spaß 🙂

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