Hart und dunkel – die SellaRonda ist geschlagen

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© Sportograf

Jetzt ist es echt geschafft – ich stehe im Ziel des SellaRonda Skimarathon und schau Sabine an und kann es gar nicht glauben. Wir haben es wirklich geschafft und das auch noch deutlich schneller als erhofft. Auch das Lachen in Sabine Gesicht ist klar zu deuten, wir sind beide einfach happy im Ziel des SellaRonda Skimarathons zu stehen. Nach knapp 42 Kilometern und 2700 sind wir wieder zurück in Wolkenstein im Grödnertal. Damit endet auch mein bisher wohl anspruchsvollstes Projekt. Nicht was das Rennen selbst betrifft, aber inkl. Vorbereitung und allem. Dabei bin ich vor allem dankbar, dass ich diese Chance hatte. Aber dazu alles später.

Die lange #roadtosellaronda

Der Sellaronda Skimarathon beschäftigt mich nun schon seit November und dementsprechend haben sich letzten Tage vor dem Rennen gezogen. Es war nach so vielen Stunden des Trainings mühsam, sich nochmal in die Tourenschuhe zu zwängen. So spannend die Vorbereitung auch war, so anders war der Winter als sonst. Nicht Touren gehen wann und wo man Lust hat, sondern strukturiert, nach Plan und vor allem möglichst flach. Denn das ist die Sellaronda mit ein paar wenigen Ausnahmen. Also war der Kopf schon müde, und auch der Körper. Doch ich hatte die letzte Woche vor dem Rennen kaum Zeit zu trainieren, was war im Nachhinein wohl ein Vorteil. Denn ich war am Tag des Rennes ausgeruht. Für den Kopf war eine Trainingseinheit, eine Woche vor der Sellaronda besonders wichtig. Sabine und ich haben ersten Abschnitt von Wolkenstein nach Corvara simuliert und dabei zeigte sich, dass wir das sicher schaffen werden.

Also waren wir beide recht guter Dinge, als wir am Freitag, den 22. März 2019, nach Wolkenstein aufgebrochen sind. Im Gebäck jede Menge Ausrüstung, viel Zuversicht aber auch viel Respekt. In Wolkenstein angekommen hat mich aber gleich mal das Rennfieber gepackt und ich hab mich richtig auf den Start gefreut. Wir waren im Teamhotel von Dynafit untergebracht und dort habe ich auch gleich einige Bekannte getroffen, das war schön und hat abgelenkt. Endlich habe ich auch mal wieder Klaus und Dieter Gösweiner getroffen. Den obligatorischen Nudeln vor dem Rennen stand somit nix im Wege. Dann noch die Startnummern abgeholt, etwas akklimatisiert und dann auf das Rennen vorbereitet. Die Anspannung stieg bei uns beiden, aber der Vorteil an einem Teamwettbewerb ist, dass man es gemeinsam macht und sich somit nicht nur auf sich selbst konzentriert.

Das Wetter war traumhaft und der Start war nicht weit weg vom Hotel, dort sind wir dann in die Zone für unsere Startnummer gegangen. Etwas weit vorne für meinen Geschmack und wenn ich so in die Runde geschaut habe, schauten alle deutlich „sportlicher“ aus als wir. Die Anspannung steig, aber trotzdem ist es mir gelungen locker zu bleiben. Wir haben uns noch etwas die Taktik für die ersten hundert Meter ausgemacht. Etwas Smalltalk, Fotos machen und nochmal Material kontrollieren – jetzt kanns losgehen.

Das Rennen

Kurz vor dem Start stieg dann die allgemeine Anspannung, alle rückten etwas vor und näher zusammen bevor es dann endlich auf die Strecke ging. Ein Knall und los geht, etwas weniger aufgeregt als es mir im Vorfeld erzählt wurde. Kein Gerangel oder so, sondern alle gingen recht entspannt los. Auch eine kleine Engstelle durch eine Tunnel nach dem Start war kein Problem und dann wurde die Piste eh breiter. Die größte Herausforderung am Anfang war es, dass wir zusammenbleiben. Wie ich es schon befürchtet habe, bin ich am Anfang etwas zu schnell weg und habe dann Sabine kurz aus den Augen verloren, aber gleich wiedergefunden. Ab da haben wir uns zusammengehängt. Das war ein großer Vorteil, weil wir uns so nicht auf das Suchen und schauen auf den anderen sparen konnten. Auch habe ich so immer gut gemerkt, wann ich zu schnell war und wann das Tempo gepasst hat. Das Seil war also kein „Abschleppseil“, das hätte Sabine auch nicht gebraucht, sondern mehr eine mentale Unterstützung und Hilfe.

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Der erste Anstieg auf das Grödnerjoch ist der mit den meisten Höhenmetern, davor hatten wir ordentlich Respekt. Da der Start aber um 18 Uhr erfolgte, war da noch eine super Abendstimmung die wirklich motiviert hat und wir kamen gut voran, waren schneller oben als gedacht und dann auch schneller im Tal in Corvara als wir gerechnet hatte. Ich war happy, doch zu früh gefreut. Denn genau dieser zweite Anstieg, den ich als locker eingestuft hatte, da er ja nur 545 Höhenmeter aufweist, hat mir im Kopf ordentlich zugesetzt. Am Anfang sehr flach und dann auch noch gut zwei Kilometer durch den Wald waren ein hartes Stück Arbeit. Ich haderte extrem mit mir. Aber endlich hatten wir diese Passage überstanden, dann kam noch ein steiler Anstieg und ich fand einen guten Schritt, damit war auch wieder positiver gestimmt. Oben angekommen funktionierte auch der Wechsel gut, Fell runter, Seil verstauen usw. Das funktionierte super und in der Abfahrt übernahm Sabine die Führung. Bergab ist sie als ehemalige Rennläuferin klar schneller als ich und so konnte ich mich an ihr halten. Wir haben uns hier wirklich gut ergänzt.

In Arabba gings dann wirklich wieder bergauf, und zwar nicht auf der Strecke, sondern auch in meinem Kopf. Die Hälfte war fast geschafft und ich fühlte mich gut, da gabs dann auch endlich Cola und das baut mich immer auf. Der dritte Anstieg hat mir dann richtig Spaß gemacht, ich kam gut in den Rhythmus und fühlte mich großartig. Auch Sabine wirkte noch sehr gut und so hatten wir den Pordoi Pass recht flott erreicht und bergab haben wir es wieder krachen lassen. Das war schon immer eine große Portion positives Gefühl. Es folgte für mich der Höhepunkt des Sellaronda Skimarathon, die Durchfahrt durch Canazei. Dabei führt die Strecke direkt ins Dorf. Die Stimmung dort war großartig, die Zuschauer feuerten die Teilnehmer an und das gab einen richtigen Punch. Allein schon, dass der Schnee für das Rennen extra durchs Dorf gezogen wird, ist großartig.

Auf den letzten Kilometern

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Dann der letzte Anstieg und eine weniger erfreuliche Überraschung, es wartete ein sehr steiler Hang, der auch noch sehr rutschig war. Sabine hat sich kurz abgehängt, damit wir uns nicht gegenseitig runterreißen, falls einer ausrutscht. Der Anstieg hat mir fast den Nerv gezogen, ich fürchtete, dass er uns zu viel Energie kosten würde. Er war aber recht kurz und bald überstanden, somit gings weiter Richtung Sella Pass. Und was soll ich sagen – das zieht sich. Man sieht ihn schon recht bald, aber er kommt und kommt nicht näher. Dank des Vollmonds hat man den Langkofel im Blick, doch der tröstet wenig, wenn man dann wiedersieht, dass der Anstieg keine Ende zu nehmen schein. Doch dann ist es geschafft, die letzte Abfahrt. „Die 5:30 sind möglich, wenn wir uns beeilen“, sagt Sabine. Also lassen wir es bergab nochmal richtig krachen.

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Kein einziger unnötiger Bogen wird gemacht und so können wir sogar noch einige Teams überholen. Wir geben Gas, doch dann sind da noch zwei ganz kurze Gegenanstiege, die im Schlittschuhschritt zu bewältigen sind. Nach 40km sind die richtig unangenehm, aber es hilft nix: „Wir sind bald da“, hatte ich immer im Kopf. Die letzten hundert Meter ins Dorf sind dann echt cool, mit dem Gefühl es geschafft zu haben schwebt man da fast. Tja, und dann „ist es geschafft.“

Ein unglaubliches Erlebnis

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Den Sellaronda Skimarathon werde ich so schnell sicher nicht vergessen. Denn das Erlebnis ist schon großartig, nicht nur aus sportlicher Sicht. Es ist die Kombination aus mehreren Faktoren, zum einen der Team-Charakter. Man weiß immer, man ist nicht allein und kämpft nicht nur für sich. Auch freut man sich gemeinsam. Dann die Vorbereitung, die sicher mühsam ist, aber auch mal was ganz anderes als in einem „normalen“ Winter. Dann die Stimmung am Start und vor allem in Canazei ist der Hammer. Auch dass das ganze in der Nacht stattfinden, macht den Sellaronda Skimarathon zu einer echten Herausforderung. Es war wirklich großartig.

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Es bleibt mir also nur mehr Danke zu sagen. Zu aller erst an meine Frau Petra. Im Winter bin ich schon beruflich ohnehin wenig zu Hause, das war heuer noch etwas weniger. Vielen, vielen Dank für deine Unterstützung, und dass du meinen Vogel so akzeptierst und mir trotzdem zu Seite stehst. Dann auch Sabine, die sich mit mir auf dieses Abenteuer eingelassen hat und eine gewaltige Leistung hingelegt hat. Danke Sabine, es war großartig. Und dann noch ein großes Dankeschön an Dynafit und hier vor allem an Michi und Dennis. Dynafit hat uns den Startplatz gestellt und uns mit großartigem Material unterstützt, ohne welches es nicht möglich gewesen wäre. Wobei ich ohne Dennis wohl auch nie am Start gestanden werden, du bist also mit schuld, Dennis.

Weiterer Dank geht an Silva für die Exeed Stirnlampen, die super Arbeit geleistet haben in der Nacht um den Sella-Stock und Julbo für die richtigen Durchblick. Ein Dank geht auch an Intersport Patrick, der uns unter anderem die Ski montiert und präpariert hat und mir mit Tipps zur Seite gestanden ist.

Transparenzhinweis: Das Produkte wurde mir und Sabine für das Projekt #roadtosellaronda von den Herstellern zur Verfügung gestellt.

1 Kommentar

  1. Hey Harald, wow, ich konnte jetzt richtig mitfiebern. Super spannend erzählt. Aua, muss das hart gewesen sein. Wie hast du dich auf dieses crazy Rennen denn vorbereitet? Hammer cool! meinen tiefsten Respekt.
    Grüße, Biggi von den phototravellers

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