360-Grad-Kameras versprechen seit Jahren spektakuläre Perspektiven ohne großen Aufwand. In der Praxis waren viele Modelle aber entweder zu schwer, zu empfindlich oder schlicht zu umständlich für den sportlichen Alltag. Mit der X4 Air versucht Insta360 genau dieses Problem zu lösen: weniger Gewicht, kompakteres Format und weiterhin die bekannte „erst filmen, später кадrieren“-Philosophie. Ob das auch beim Trailrunning tatsächlich funktioniert, zeigt der Test.
Insta360 X4 Air und Trailrunning
Die Insta360 X4 Air ist im besten Sinne eine Kamera für alle, die eigentlich keine Lust haben, ständig eine Kamera mitzuschleppen, und genau darin liegt ihr Reiz. Mit nur 165 Gramm Gewicht fällt sie deutlich leichter aus als die reguläre Insta360 X4 oder das Topmodell, die X5, und ist damit wesentlich angenehmer zum Laufen mitzunehmen. Gerade beim Trailrunning, Biken oder auf Reisen spielt das Gewicht eine Rolle: Die Kamera zieht weniger am Mount, wackelt weniger und verschwindet schneller im Rucksack, wenn sie gerade nicht gebraucht wird.
Technisch bleibt trotzdem erstaunlich viel von den größeren Schwestermodellen erhalten. Die X4 Air filmt in 8K mit 30 Bildern pro Sekunde, nutzt zwei 1/1,8-Zoll-Sensoren und setzt weiterhin auf das bekannte 360-Grad-Prinzip: einfach aufnehmen und erst später entscheiden, welcher Bildausschnitt tatsächlich verwendet wird. Das funktioniert im Alltag angenehm unkompliziert – einschalten, laufen lassen und sich nicht permanent Gedanken über den Bildwinkel machen. Dazu kommen die bekannte FlowState-Stabilisierung, Horizon Lock und der unsichtbare Selfiestick-Effekt, der auch hier zuverlässig für jene typischen „Drohnen-Shots ohne Drohne“ sorgen.

Erster Eindruck
Spannend ist, dass Insta360 bei der X4 Air-Version an den richtigen Stellen abgespeckt hat und an anderen nicht. Den Bildschirm fällt kleiner aus, die Akkulaufzeit liegt laut Hersteller bei rund 88 Minuten in 8K und bei Fotos sind statt 72 Megapixel nur noch 29 Megapixel drin. Wer regelmäßig hochwertige Standbilder aus seinen Aufnahmen ziehen will oder oft bei schlechtem Licht filmt, wird die Grenzen schneller sehen. Auch bei hohen Frameraten ist die größere X5 flexibler. Praktisch: Die Linsen der X4 Air können getauscht werden. Das klingt banal, ist bei 360-Kameras aber ein echter Vorteil, weil die exponierten Linsen bei Stürzen oder im Rucksack schnell Kratzer abbekommen. Statt die ganze Kamera einzuschicken, tauscht man nur das Glas.
Ebenfalls hilfreich: Wasserdichtigkeit bis 15 Meter, Sprachsteuerung und die inzwischen ziemlich ausgereifte App, die viel Schnittarbeit automatisiert. Bedient wird die X4 Air über den Touchscreen und drei haptische Knöpfe an der Seite. Zwei an der Seite, der Ein-/Aus-Knopf und ein frei programmierbarer und unter dem Display der Aufnahme-Button. Zusätzlich kann man das auch mittels Handzeichen oder Sprachbefehlen. Die Kamera hat ein Stativgewinde und einen Schnellverschluss-Dock. Über eine LED-Leuchte sieht man, ob die Kamera lädt oder ob die Aufnahme läuft. Leuchtet sie blau, dann ist sie in Bereitschaft. Gespeichert wird mittels Karte.

Die Funktionen
Unter der Haube ist die X4 Air technisch spannender, als das kompakte Gehäuse vermuten lässt. Insta360 verbaut zwei 1/1,8-Zoll-Sensoren. Dazu kommen eine Blende von f/1.95 und eine Brennweite von 6,4 Millimetern. Heißt in der Praxis: etwas mehr Lichtausbeute bei schwierigen Bedingungen und mehr Reserven in der Dämmerung, auch wenn sie an die größere Insta360 X5 bei Low-Light weiterhin nicht herankommt. Bei den Videoformaten zeigt sich, dass die kleine Kamera ernst zu nehmen ist: 8K mit 30 fps, 6K mit bis zu 50 fps und 4K mit bis zu 50 fps im 360-Modus. Wer klassische Actioncam-Perspektiven bevorzugt, kann im Single-Lens-Modus mit bis zu 4K/60 fps filmen, in Full-HD sind sogar 120 fps für Slow-Motion-Aufnahmen möglich.
Dazu kommen FreeFrame-, Me-Mode- und InstaFrame-Aufnahmen, bei denen parallel bereits ein klassisches Flat-Video exportiert wird, während das komplette 360-Material gespeichert bleibt. Bei der Bedienung setzt Insta360 stark auf Komfortfunktionen: FlowState-Stabilisierung, Horizon Lock, Sprachsteuerung, Gestensteuerung und „Twist to Shoot“, bei dem sich die Aufnahme direkt über eine Drehbewegung des Selfiesticks starten lässt. Dazu kommen IPX8-Zertifizierung, Wasserdichtigkeit bis 15 Meter Tiefe und ein 2.010-mAh-Akku, der in 8K laut Hersteller rund 88 Minuten durchhält.

In der Praxis
Raus auf den Trail und genau dort zeigt die Insta360 X4 Air, warum das Konzept funktioniert. Die Bedienung ist unkompliziert und intuitiv, man braucht daher nur sehr wenig Eingewöhnungszeit. Die Einstellungen erfolgen über das Touchdisplay und die Bedienung über die drei Knöpfe, wobei ich den programmierbaren gar nicht verwende, so einfach ist die Steuerung. Das wirklich Praktische an der Kamera ist, dass man einfach nur auf Aufnahme drückt und sich nicht konzentrieren muss, was man filmt. Den Bildausschnitt wählt man danach in der App. Auch bekommt man hier spannende Bildwinkel, wie zum Beispiel „Tiny Planet“, wo man dann nur auf dem Erdball steht. Wenn man den Aufnahmeknopf drückt, startet die Aufnahme superschnell in den gespeicherten Einstellungen.
Sehr praktikabel ist auch die „Twist-to-Shoot“-Funktion. Wenn die Kamera eingeschaltet ist, braucht man sie nur mal kurz zu rotieren und die Aufnahme startet. Praktisch ist auch die Gestensteuerung. Eine geöffnete Handfläche genügt und die Kamera startet die Aufnahme – überraschend zuverlässig und deutlich unkomplizierter als erwartet. Der Vorteil der X4 Air gegenüber der X5 ist klar, das geringere Gewicht. Auf den ersten Blick sind es nur 30 Gramm, die machen aber in der Laufweste und am Stick schon etwas aus. Die X5 spürt man in der Laufweste deutlich mehr.
Um Fokus oder Schärfe muss man sich dabei ohnehin kaum kümmern, nicht mal um Hoch- oder Querformat. Leider fehlt der X4 Air der PureVideo-Modus für schlechte Lichtverhältnisse. Da ist die Qualität gegenüber der X5 wirklich deutlich schlechter, und das beginnt schon in einem schattigen Wald. Auch ist der Sensor etwas kleiner, was man spürt, wenn man Fotos aus den Aufnahmen zieht oder auch bei Aufnahmen gegen die Sonne. Hier zeigt die X4 Air leichte Schwächen. Die Akkulaufzeit ist für mich mit 88 Minuten absolut ausreichend. Besonders gut gefallen mir dafür Active HDR, Adaptive Tone und die gewohnt starke Stabilisierung, FlowState und Horizon Lock.

Fazit Insta360 GO Ultra
Die Insta360 X4 Air ist klein, leicht, einfach zu bedienen und günstiger als die meisten anderen 360-Grad-Kameras. Genau darin liegt aber auch ihr Kompromiss. Es gilt, die Schwächen gegen die Stärken der Kamera abzuwägen. Die Stärken sind klar, ihr Gewicht und die Größe. Sie ist deutlich kleiner und mit 165 Gramm leichter als die X5 oder die Modelle der anderen Hersteller. An Helm, Chest Mount oder Selfiestick wirkt sie dadurch deutlich angenehmer und vor allem hat sie leichter in der Laufweste oder dem Rucksack Platz. Auch die Bildqualität ist gut.
Die dualen 1/1,8-Zoll-Sensoren liefern bei Tageslicht scharfe 8K-Aufnahmen mit guter Dynamik. Besonders Active HDR, AdaptiveTone und die Bildstabilisierung können hier überzeugen. Dazu kommt das inzwischen sehr ausgereifte Software-Ökosystem von Insta360. Die App nimmt Nutzern viel Arbeit ab: Automatisches Reframing, KI-Schnitttools, unsichtbarer Selfiestick und Features wie Gesture Control oder Twist to Shoot machen die Kamera gerade für Einsteiger ideal. Wer einfach filmen will, ohne stundenlang am Schnittprogramm zu sitzen, bekommt hier eines der unkompliziertesten Systeme am Markt.
Doch die Kamera hat auch Schwächen, wie die Low-Light-Aufnahmen und den Akku. Sobald das Licht schlechter wird, nimmt das Bildrauschen sichtbar zu. Ein Problem, das allerdings praktisch alle kleinen Actioncams kennen. Die größere Insta360 X5 bleibt hier klar im Vorteil. Dazu kommt die Laufzeit von rund 88 Minuten in 8K, was für lange Touren schnell knapp werden kann. Für beides gilt: Hier muss man einfach abwägen, was einem wichtiger ist. Mehr Akku und bessere Aufnahmen bei schwachem Licht, oder weniger Gewicht und kleinerer Preis. Man muss auch ehrlich sagen, dass die Aufnahmequalität für Social Media und Co. locker reicht und auch die Akkulaufzeit war bei mir noch nie ein Problem. Wer allerdings mit der Insta360 X4 Air einen Trailrunning-Kinohit produzieren will, der hat die Kamera überschätzt – oder hatte nun mal falsche Erwartungen.
Mein Tipp:
Ich empfehle noch gleich, den „Zusammenklappbaren 2-in-1Selfie-Stick“ dazuzukaufen. Im Unterschied zum normalen Stick, lässt er sich falten und ist dann nur mehr kaum länger als die Kamera. Damit hat alles zusammen locker in der Laufweste Platz und es ist ein Mini-Stativ integriert.
„Die X4 Air ist nicht die beste 360-Kamera, aber vielleicht die vernünftigste. Weniger Gadget für YouTuber, mehr Werkzeug für Trailrunner und Mountainbiker, die spektakuläre Aufnahmen wollen, ohne dafür ein halbes Kameraset mitzuschleppen.“
Mehr Infos zur Insta360 X4 Air findet ihr hier






Transparenzhinweis: Das Produkt wurde mir für diesen Test vom Hersteller zur Verfügung gestellt. Damit ist aber keinerlei Einfluss auf das Ergebnis des Tests verbunden.


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