Mizuno baut zwar schon lange Trailrunning-Schuhe, aber mich konnte noch keiner begeistern. So ganz ernst genommen hatten die Japaner das Thema aus meiner Sicht bisher nicht. Doch das soll nun anders werden, denn mit dem Neo Accera bringen sie ein neues Modell auf den Markt, das gleich in die Liga der „Trail-Supershoes“ fallen soll. Ein ambitionierter Ansatz, doch kann der Neo Accera auch wirklich am Trail überzeugen?
Der erste Eindruck
Keine Frage, der Mizuno Neo Accera fällt auf. Er macht ein wenig auf Erlkönig und ist schwarz/weiß mit ganz viel Muster. Ich empfinde die Optik als cool, aber muss man mögen. Was mich allerdings wirklich stört, ist, dass die Zwischensohle eine andere Farbe hat als das Obermaterial. Er wirkt auch etwas voluminös. Der Schuh hat einen ordentlichen Zehenschutz und wirkt sehr komfortabel. Die Verarbeitung ist sehr gut, aber hier haben die Japaner einfach viel Erfahrung im Hinblick auf Laufschuhbau. Die Sohle wirkt üppig. Die Specs des Schuhs herauszufinden, ist schon mal gar nicht so einfach. Sorry, aber bei einem Schuh um 190 Euro sollten Daten wie Drop oder Stack für Endkunden auf der Homepage des Herstellers ersichtlich sein. Die Ferse ist 41 mm hoch und die Sprengung beträgt 8,5 mm. Geschnürt wird mit Sawtooth-Schuhbändern, die sich nicht von selbst lösen. Das Gewicht liegt bei 292 Gramm in Größe UK 8,5.

Die Passform
Der Mizuno Neo Accera ist für längere Distanzen gedacht und kam auch schon beim UTMB im Vorjahr zum Einsatz. Dementsprechend komfortabel ist seine Ausrichtung. Das Obermaterial wirkt weich, aber nicht sonderlich luftig. Die Polsterung an der Ferse ist ausreichend, aber nicht üppig und die Zunge ist dünn. Das ergibt allerdings einen guten Sitz im Schuh, trotzdem könnte er für meinen Geschmack etwas fester sitzen. Aber der Halt ist für den Einsatzzweck des Schuhs ausreichend. Denn ich sehe ihn nicht in alpinem Gelände, sondern auf sanfteren Trails. Die Zehenbox ist üppig und bietet ausreichend Platz, auch wenn nach vielen Stunden die Füße anschwellen. Gut gefällt mir, dass Sawtooth-Schuhbänder verwendet werden, die lösen sich so gut wie nie unabsichtlich. Sie sind nur etwas lang. Der Schuh ist groß geschnitten, ich würde ihn zumindest eine halbe Nummer kleiner nehmen.

Die Sohle
Die Zwischensohle ist das Herzstück des Mizuno Neo Accera und basiert auf einem dualen Aufbau. Oben kommt Enerzy NXT, ein stickstoff-infundierter, sehr weicher und elastischer Schaum. Das Enerzy NXT soll für Reaktivität und eine gute Dämpfung sorgen und der Schuh ist auch wirklich überraschend bouncy. Der Schuh wirkt sehr weich und soft, wenn man ihn anprobiert. Unten ist eine etwas festere, dünnere Schicht, die für Stabilität sorgen soll. Über die ganze Sohlenlänge ist zusätzlich eine Rockplate integriert, die vor spitzen Steinen schützt. Ergänzt wird die Dämpfung durch die ausgeprägte Rocker-Geometrie „Smooth Speed Assist“, die ein flüssiges Abrollen unterstützt. Bei der Außensohle gibt’s keine Experimente, hier kommt der Vibram Megagrip-Gummi mit breiten Traction Lugs zum Einsatz.

Persönlicher Eindruck
Keine Frage, schon auf den ersten Metern merkt man: Der Neo Accera ist ganz anders als die bisherigen Trail-Schuhe von Mizuno. Die waren eher bockig und wenig lauffreudig. Das ist jetzt anders, die weiche Sohle hat viel Bounce und der Rocker lässt ihn leicht und lässig abrollen. Es macht richtig Spaß, mit dem Modell zu laufen. Zumindest, solange der Untergrund fest ist. Also auf Straße und Schotterpiste kann er glänzen, sobald es trailiger und technischer wird, tut er sich schwer. Und dabei rede ich noch nicht von alpinen Trails, sondern einfach von Trails mit Wurzeln, Steinen und engeren Kurven. Die weiche Sohle lässt ihn hier schnell an die Grenzen kommen. Die duale Sohle ist trotz strafferem Unterbau zu weich, man hat kaum Gefühl für den Untergrund und nur wenig klaren Druckpunkt. Das macht ihn gefühlt etwas kippelig und unsicher. Dazu trägt auch das Obermaterial bei, es ist voluminös und gibt ein wenig nach. Seitliche Unterstützung gibt’s keine. Der Grip hingegen ist gut, auch auf weicherem Untergrund, aber was anderes hatte ich mir von Vibram auch nicht erwartet.
Pro&Contra
Pro: dynamisch, lauffreudig, komfortabel, gute Gravel-Eigenschaften, auch auf der Straße laufbar
Contra: wenig luftiges Obermaterial, sehr voluminös, nur bedingt für richtige Trails geeignet

Fazit Mizuno Neo Accera
Ich war gespannt, wie sich der Schuh läuft, denn mit seiner Optik und seiner Positionierung als Trail-Supershoe lag die Latte hoch. Und ich muss sagen, Mizuno hat sich die Latte selbst zu hochgelegt. Denn mit anderen Trail-Supershoes kann der Neo Accera aus meiner Sicht nicht mithalten. Kommen wir zuerst zum Positiven. Auf Schotter und Straße läuft er sich wirklich sehr gut, da ist er lauffreudig, bouncy und macht viel Spaß. Er ist reaktiv und es macht richtig Spaß, mit ihm zu laufen. Der Grip der Sohle ist gut, auch auf nassem Untergrund wie Steinen und Wurzeln. Dazu ist er angenehm, komfortabel. Nun aber zum Negativen. Sobald man auf Trails kommt, mit Wurzeln und Steinen und es etwas technischer wird, dann habe ich mich mit dem Schuh einfach unsicher gefühlt. Man hat keine Verbindung zum Boden, die weiche Zwischensohle bietet seitlich kaum Unterstützung und auch der Schuh selbst ist zu voluminös, um den Fuß sicher zu halten. Das schränkt den Schuh sehr ein. Ich würde ihn mehr als Gravel-Schuh sehen, auf Schotter und leichten Wald- und Wiesentrails und auch mal ein Stück Asphalt. Da kann er auch seine Dynamik ausspielen. Im richtigen Gelände habe ich mich mit dem Schuh nicht wohlgefühlt.
„Der Mizuno Neo Accera ist ein dynamischer, lauffreudiger Schuh für Wald- und Wiesentrails und Gravelrunning. Auf technisch anspruchsvollen, steinigen oder wurzeligen Trails kann er mich nicht überzeugen.“
Herstellerdetails
Mehr Infos zum Mizuno Neo Accera findet ihr hier





Transparenzhinweis: Das Produkt wurde mir für diesen Test vom Hersteller zur Verfügung gestellt. Damit ist aber keinerlei Einfluss auf das Ergebnis des Tests verbunden.


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