Adidas Terrex Agravic Speed Ultra Evo

Adidas Terrex, Agravic Speed Ultra Evo, Test, review

500 Euro für einen Trailrunning-Schuh – mit dem Adidas Terrex Agravic Speed Ultra Evo durchbricht die Terrex-Reihe eine bisher kaum erreichte Preisschwelle. Gleichzeitig verabschiedet sich adidas technisch weit vom bisherigen Agravic Speed Ultra 2. Viel Schaum, wenig Gewicht und eine vollkommen neue Versteifungskonstruktion: Was steckt hinter dem teuersten Trailracer der Marke?

Der erste Eindruck

Der Adidas Terrex Agravic Speed Ultra Evo steht an der Spitze der Terrex-Rennschuhe und ist für schnelle Ultras und lange Trail Rennen konzipiert. Mit durchschnittlich 250 Gramm ist er rund fünf Prozent leichter als der Agravic Speed Ultra 2. Die Plattform misst 39 Millimeter an der Ferse und 33 Millimeter im Vorfuß, der Drop beträgt damit 6 Millimeter. Der Schuh wiegt in Größe UK 8,5 nur 254 Gramm, das ist für so viel Schuh schon wirklich wenig.

Statt der EnergyRods des Vorgängers arbeitet der Evo mit zwei seitlich getrennten ENERGYRIM‑Elementen. Jede Seite kann sich unabhängig bewegen und soll die hohe Plattform auf unebenem Untergrund besser kontrollieren. Dazu kommen eine überarbeitete Rockergeometrie und eine breitere Aufstandsfläche. Die klassische Schnürung bleibt erhalten.

Adidas Terrex, Agravic Speed Ultra Evo, Test, review

Passform

Beim Adidas Terrex Agravic Speed Ultra Evo fällt das Trailock-Obermaterial extrem dünn aus. Das gewebte Material besitzt einen eindirektionalen Stretch und kommt mit wenigen Nähten aus. Dadurch kann sich das Upper kontrolliert an den Fuß anpassen, ohne zusätzliches Material für eine klassische, feste Konstruktion zu benötigen. Ein integrierter Debris Collar schließt den oberen Bereich ab und soll das Eindringen von Sand und kleinen Steinen reduzieren.

Die Zunge ist mit dem Obermaterial verbunden und bleibt dadurch in der Schnürzone. Der Fersenbereich ist ebenfalls reduziert aufgebaut: Dünne Polster an Ferse und Achillessehne übernehmen die Fixierung, ohne eine voluminöse Fersenkappe zu benötigen. Der Leisten ist auf eine sportliche Passform ausgelegt, lässt im Vorfuß aber ausreichend Raum für lange Distanzen.

Adidas Terrex, Agravic Speed Ultra Evo, Test, review

Sohle

Adidas setzt beim Terrex Agravic Speed Ultra Evo auf eine geformte LIGHTSTRIKE-PRO-Mittelsohle. Der Schaum darf sich unter Belastung stärker verformen; adidas gibt gegenüber der bisherigen Konstruktion 15 Prozent mehr Deformation an. Gleichzeitig stabilisieren die beiden ENERGYRIM-Elemente die Plattform. Zusammen mit dem abgestimmten Rocker soll dadurch ein flüssiger Übergang vom Aufsetzen zum Abdruck entstehen.

Unter der Mittelsohle sitzt Continental-Gummi. Das Profil wurde gegenüber dem Vorgänger verändert und liegt je nach Quelle bei etwa 3 bis 5 Millimetern. Die Konstruktion bleibt damit stärker auf Geschwindigkeit als auf tiefen Schlamm ausgelegt. Die hohe Plattform bietet viel Schaum unter dem Fuß, während die breitere Basis und ENERGYRIM die seitliche Kontrolle übernehmen.

Adidas Terrex, Agravic Speed Ultra Evo, Test, review

Persönlicher Eindruck

Bei 500 Euro erwartet man fast Wunderdinge von einem Schuh. Beim Laufen musste ich den Preis aber erst einmal ausblenden. Schon auf den ersten Metern begeistert der Agravic Speed Ultra Evo. Die dicke, weiche Sohle rollt dank des typischen adidas-Rockers unglaublich locker ab. Der Schuh ist extrem lauffreudig, dynamisch und schiebt deutlich nach vorne. Auf der Straße läuft er sich fast wie ein Straßenschuh.

Auf Schotter und im Gelände wird es spannend. Die seitlichen ENERGYRIMs bringen trotz der weichen Sohle spürbar Stabilität. Dadurch bleibt der Schuh auch auf Steinen sowie leicht bis mittelschweren technischen Trails überraschend beherrschbar. Alpines, stark verblocktes Gelände ist dagegen nicht sein Terrain. Die Kombination aus dynamischer Dämpfung, breiter Auflagefläche und geringem Gewicht macht den Schuh außergewöhnlich laufstark. Gerade die breite Plattform ist ein deutlicher Unterschied zum schmaleren Agravic Speed Ultra 2 und sorgt für mehr Stabilität.

Hervorragend gefällt mir die Sockenbauweise. Sie schließt am Knöchel sehr gut ab, hält Steine draußen und vermittelt gleichzeitig einen sicheren Sitz. Das dünne Obermaterial und die kleine Fersenpolsterung halten das Gewicht niedrig, bieten aber trotzdem guten Fersenhalt und überraschend viel Komfort für einen Racer.

Pro&Contra

Pro: Dynamik, Dämpfung, Stabilität, Gewicht, super Passform
Contra: Hoher Preis, Grenzen im alpinen Gelände, nicht langlebig

Adidas Terrex, Agravic Speed Ultra Evo, Test, review

Fazit Adidas Terrex Agravic Speed Ultra Evo

Mein Fazit zu dem Schuh? Ja, 500 Euro für einen Schuh sind eine Ansage. Man darf sich jetzt keine Wunder erwarten. Er läuft sich nicht von selbst. Er ist kein E-Bike unter den Schuhen. Im Gegenteil: Der Agravic Speed Ultra Evo von adidas ist ein absoluter Racer, und zwar ein Vollblut-Racer. Das bringt mich auch zur Antwort auf die Frage: Ist er 500 Euro wert? Wenn du um einen Sieg mitläufst, ja, keine Frage. Dann wird es momentan wohl keinen schnelleren und aggressiveren Schuh geben.

Wenn du ein Hobbyläufer bist, wie ich und ein Technik-Nerd, ist er auch super. Da kann man über die 500 Euro diskutieren, wird aber wohl in den sauren Apfel beißen, weil man technisch ganz vorne dabei sein will. Denn was die Technik der Sohle betrifft, ist das wirklich top. Trotzdem muss man auch darauf hinweisen, dass er wirklich als Racer für wenige Einsätze gedacht ist. Denn besonders die Zwischensohle leidet schnell unter Stein- und Felskontakt. Er ist kein Schuh, mit dem man 1000 km runterspult.

Für den Normalläufer, der einen guten Schuh sucht, ist der Preis sicher zu hoch angesetzt. Dafür ist der Schuh auch nicht gedacht. Hier können wir hoffen, dass Adidas die Technik, die in diesem Schuh steckt, demokratisiert und sie dann auch in günstigeren Schuhen auf den Markt bringt, was bereits angekündigt ist. Wir können also hoffen, dass aus diesem exotischen Traumschuh, man könnte sagen, das ist mehr als ein Superschuh, auch eine Version für die normalen Läufer kommt.

„Adidas Terrex Agravic Speed Ultra Evo: schnell, aggressiv, dynamisch, extrem lauffreudig – und super teuer.“


Herstellerdetails

  • Gewicht: 250 g (Herstellerangabe)
    Sprengung: 6 mm
    Schnürung: Sawtooth Schuhbänder
    Dämpfungsmaterial: LIGHTSTRIKE PRO mit ENERGYRIM
    Außensohle: Continental
    Profiltiefe: 3-5 mm
    Höhe Zwischensohle: 39 mm Ferse / 33 mm Vorfuß
    Membran: keine
    UVP: € 500,-

Mehr Infos zum Adidas Terrex Agravic Speed Ultra Evo findet ihr hier

Transparenzhinweis: Das Produkt wurde mir für diesen Test vom Hersteller zur Verfügung gestellt. Damit ist aber keinerlei Einfluss auf das Ergebnis des Tests verbunden.

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