Eine wasserdichte Jacke ist schnell gekauft. Was in ihr steckt und wie viel Arbeit dahintersteckt, sieht man ihr dagegen nicht an. Bei einer Pressereise nach Feldkirchen-Westerham in Bayern habe ich einen Blick hinter die Kulissen von GORE geworfen. Zum 50. Geburtstag der GORE-TEX Produkte ging es um die Geschichte einer zufälligen Entdeckung, um Materialforschung und um die Frage, was eine Jacke im Labor alles aushalten muss, bevor sie im Outdoorhandel landet.
Am Anfang war das Kabel
Bevor es in die Labore geht, steht zunächst ein Ausflug in die Firmengeschichte auf dem Programm. Und die beginnt ganz anders, als man bei einem Unternehmen denkt, dessen Name eng mit wasserdichter Outdoorbekleidung verbunden ist. Denn die Geschichte von GORE hat ihren Ursprung nicht bei Regenjacken, sondern bei Kabeln.
Bill Gore gründete das Unternehmen 1958 gemeinsam mit seiner Frau Vieve in den USA. Der Chemiker hatte sich zuvor mit dem Kunststoff Polytetrafluorethylen, kurz PTFE, beschäftigt. Das Material eignet sich unter anderem zur elektrischen Isolation und wurde deshalb für Kabel interessant. Doch das sollte längst nicht die einzige Anwendung bleiben.

1969 experimentierte ihr Sohn Bob Gore mit dem Material und machte dabei eine entscheidende Entdeckung. Als er PTFE unter bestimmten Bedingungen stark auseinanderzog, entstand expandiertes PTFE, kurz ePTFE. Die Struktur des Materials veränderte sich dabei grundlegend. Aus einem Kunststoff, der zunächst vor allem für technische Anwendungen interessant war, ergaben sich plötzlich ganz neue Möglichkeiten.
Genau hier beginnt die Geschichte, die für die Outdoorbranche interessant wird. Denn die feine, poröse Struktur des Materials bildet die Grundlage für jene Membrantechnologie, mit der GORE-TEX später bekannt wurde.
1976 kamen die ersten GORE-TEX Produkte auf den Markt. Das Unternehmen feiert deshalb heuer das 50-jährige Bestehen seiner Produkttechnologie. GORE selbst ist mit seiner Gründung im Jahr 1958 deutlich älter.
Vom Rückblick ins Labor
Nach der Zeitreise geht es für uns in die Labore am Standort Feldkirchen-Westerham. Hier dreht sich alles um Materialien, Verarbeitung und die Frage, ob die fertigen Produkte den Anforderungen tatsächlich standhalten.
Eine Membran kann auf dem Papier noch so gute Eigenschaften haben. In einer Jacke muss sie aber gemeinsam mit dem Obermaterial, den Nähten und den übrigen Komponenten funktionieren. Wasser sucht sich schließlich nicht nur den Weg durch den Stoff, sondern kann auch an schlecht verarbeiteten Stellen eindringen.

Deshalb werden bei GORE nicht nur einzelne Materialien untersucht. Auch Prototypen und fertige Produkte müssen sich Prüfungen stellen. Die Ergebnisse helfen dabei, Schwachstellen zu erkennen und Konstruktionen weiterzuentwickeln. Dabei arbeitet GORE eng mit über 400 Marken zusammen, die die Membrantechnologie in ihren Produkten einsetzen.
Der Blick hinter die Kulissen macht damit einen Punkt deutlich, der beim Kauf einer Outdoorjacke kaum eine Rolle spielt: Auf dem Etikett steht zwar der Name der Membran, für die Funktion des gesamten Kleidungsstücks ist aber weit mehr entscheidend.
Regen auf Knopfdruck
Besonders interessant wird es bei den Prüfverfahren. In speziellen Anlagen lassen sich Regenbedingungen gezielt nachstellen, um die Wasserdichtigkeit von Materialien und fertigen Kleidungsstücken zu überprüfen. Dabei geht es nicht um einen kurzen Schauer, sondern um Tests unter definierten Bedingungen, deren Ergebnisse vergleichbar sein müssen.
Denn ob eine Jacke dicht hält, lässt sich nicht allein anhand des verwendeten Materials beurteilen. Auch die Verarbeitung und die Konstruktion spielen eine Rolle. Eine undichte Naht kann die Funktion ebenso beeinträchtigen wie eine Schwachstelle im Material.

Gleichzeitig darf der Schutz vor Regen nicht zulasten der Atmungsaktivität gehen. Gerade bei sportlicher Belastung entsteht im Inneren einer Jacke viel Feuchtigkeit. Sie soll möglichst als Wasserdampf nach außen gelangen, während Regen draußen bleibt. Das klingt einfach, ist technisch aber eine anspruchsvolle Kombination.
Die Labortests sind deshalb mehr als eine abschließende Kontrolle. Sie gehören zur Produktentwicklung und helfen dabei, Materialien und Konstruktionen aufeinander abzustimmen. Was im Labor auffällt, kann in die nächste Entwicklungsrunde einfließen.
Mehr als eine Jacke
Die 50-jährige Geschichte der GORE-TEX Produkte zeigt, wie aus einer Materialentdeckung eine Technologie für unterschiedliche Einsatzbereiche wurde. Neben Bekleidung kommen entsprechende Materialien heute auch in Schuhen und anderen Produkten zum Einsatz. Die Grundlagen dafür liegen weiterhin in der besonderen Struktur des Materials und in der Art, wie es verarbeitet wird.
Bei meinem Besuch in Feldkirchen-Westerham geht es deshalb nicht nur um die Frage, wie eine Membran funktioniert. Der Rundgang führt auch vor Augen, wie weit der Weg von einer Entdeckung bis zum fertigen Produkt sein kann. Zwischen Materialforschung und einer Jacke, die später im Laden hängt, liegen zahlreiche Entwicklungsschritte und Prüfungen.

Der Ursprung dieser Geschichte ist dabei fast ein wenig unscheinbar: ein Kunststoff, der zunächst für Kabel verwendet wurde, und ein Experiment, das anders verlief als erwartet. Dass daraus eine der bekanntesten Technologien für wasserdichte Outdoorbekleidung entstehen würde, war 1969 wohl kaum abzusehen.
50 Jahre nach den ersten GORE-TEX Produkten steht die nächste Entwicklungsstufe bereits im Einsatz. Mit der ePE-Membran setzt GORE auf expandiertes Polyethylen, das ohne zugesetzte PFAS hergestellt wird. Gleichzeitig soll das Material weiterhin wasserdicht, winddicht und atmungsaktiv sein. Durch das geringere Materialgewicht und die Kombination mit ausgewählten Textilien soll außerdem der CO₂-Fußabdruck der Laminate sinken. Der Wechsel ist Teil einer größeren Umstellung: GORE will sein gesamtes Textilportfolio bis Ende März 2031 auf Materialien umstellen, die ohne absichtlich zugesetzte PFAS auskommen. Das betrifft nicht nur Outdoorjacken, sondern zunehmend auch Produkte für den professionellen Einsatz – etwa für Feuerwehr, Rettungsdienste, Polizei und Streitkräfte, bei denen Schutz und Haltbarkeit besonders hohe Anforderungen erfüllen müssen.
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