Hoka Tecton X 4

Hoka, Tecton X 4, Test, review

Der Tecton X ist der Rennschuh der Hoka-Profis – entsprechend mit Spannung wird jede neue Generation erwartet. Seit der ersten Version steht das Modell für schnelle Trailrennen und lange Distanzen, kombiniert mit zwei Carbonplatten und viel Dämpfung. Mit dem Tecton X 4 hat Hoka die Konstruktion an mehreren Stellen verändert. Wie weit die Weiterentwicklung tatsächlich geht, zeigt der Test.

Der erste Eindruck

Mit dem Tecton X 4 positioniert Hoka das Modell weiterhin an der Spitze seiner Trail-Racing-Palette. Während Speedgoat und Mafate stärker auf Training, Schutz und unterschiedliche Geländeanforderungen ausgerichtet sind, ist der Tecton X 4 für schnelle Trail- und Ultra-Rennen konzipiert. Gegenüber dem Tecton X 3 fällt vor allem die überarbeitete Carbon-Konstruktion auf: Die seitlich sichtbaren Carbon-Flügel sind verschwunden, die beiden Platten liegen vollständig in der Mittelsohle. Das Obermaterial besteht nun aus Matryx Micro. Die Schnürung kombiniert unten Ghillie-Schlaufen mit klassischen Ösen im oberen Bereich und bietet eine zusätzliche Öse für eine Marathon-Schnürung. Die 40 Millimeter hohe Ferse und 35 Millimeter im Vorfuß ergeben 5 Millimeter Sprengung. Das angegebene Gewicht liegt bei sehr leichten 266 Gramm in UK 9.

Hoka, Tecton X 4, Test, review

Die Passform

Beim Hoka Tecton X 4 setzt Hoka auf einen eher funktionalen Leisten mit ausreichend Raum im Vorfuß. Das Matryx-Micro-Obermaterial ist deutlich dünner und luftiger als beim Vorgänger, bleibt durch seine kaum dehnbaren Fasern aber formstabil. Ein elastischer Bereich im Vorfuß kann sich bei zunehmender Belastung etwas ausweiten. Die Zunge ist als hoher, sockenähnlicher Abschluss ausgeführt und reicht seitlich bis hinter die Schnürung. Im Fersenbereich verzichtet der Hoka Tecton X 4 auf eine klassische, feste Fersenkappe. Stattdessen übernehmen Polsterung und die hochgezogenen Seitenwände der Mittelsohle die Führung der Ferse. Diese Seitenwände fallen beim X 4 etwas höher aus als beim Vorgänger. Die Schnürung wurde gegenüber dem Tecton X 3 ebenfalls angepasst und ermöglicht eine zusätzliche Fixierung über die oberste Öse. Achtung, er ist etwa eine halbe Nummer kleiner geschnitten als andere Hokas.

Hoka, Tecton X 4, Test, review

Die Sohle

Herzstück des Hoka Tecton X 4 ist die PROFLY-X-Konstruktion mit zwei unterschiedlich aufgebauten PEBA-Schaumschichten. Die weichere obere Lage liegt über einer festeren unteren Schicht und trennt damit Dämpfung und Stabilität innerhalb der Mittelsohle. Dazwischen sitzen zwei parallel angeordnete Carbonplatten, deren Konstruktion gegenüber dem Tecton X 3 überarbeitet wurde. Die beim Vorgänger seitlich sichtbaren Carbon-Flügel entfallen; die Platten liegen vollständig innerhalb der Mittelsohle. Zusammen mit dem MetaRocker unterstützt die Konstruktion den Abrollvorgang, während die geteilten Platten gegenüber einer durchgehenden Carbonplatte mehr Beweglichkeit zulassen. Die Außensohle besteht aus Vibram Megagrip Litebase und verwendet abgestufte 4-mm-Stollen. Gegenüber den 3,5-mm-Stollen des Tecton X 3 fällt das Profil damit etwas ausgeprägter aus, während die Litebase-Konstruktion Material und Gewicht reduziert.

Hoka, Tecton X 4, Test, review

Persönlicher Eindruck

Der Hoka Tecton X 4 wirkt vom ersten Schritt an dynamisch, ohne dabei das typische, extrem weiche Gefühl vieler Carbon-Racer zu vermitteln. Die Kombination aus PEBA-Schaum und Carbonplatten sorgt für spürbaren Vortrieb, bleibt dabei aber kontrolliert und gut berechenbar. Genau hier unterscheidet sich der Tecton X 4 von vielen klassischen Carbon-Racern: Er schlägt sich überraschend gut auch in technischem Gelände. Die breite Sohlenplattform schafft eine stabile Basis, während die Vibram-Megagrip-Sohle mit 4-Millimeter-Profil auch auf anspruchsvollen Untergründen für guten Grip sorgt. Auffällig ist die Konstruktion im Fersenbereich. Eine klassische Fersenkappe gibt es nicht. Stattdessen übernehmen die hochgezogenen Seitenwände der Mittelsohle die Führung und Stabilisierung der Ferse. Das ist zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig, funktioniert aber als eigenständiges Konstruktionsprinzip. Trotz Carbon und PEBA bleibt der Schuh damit kontrolliert und lässt sich auch auf anspruchsvolleren Trails einsetzen, ohne seine Ausrichtung auf Tempo zu verlieren. Die sockenartige Zunge schließt rund um den Fuß gut ab und hält Steine, Schmutz und Schnee weitgehend draußen.

Pro&Contra

Pro: angenehme Dynamik, sehr stabil, sehr leicht, komfortabel, nicht überfordernd, gute Kontrolle
Contra: hochpreisig, wenig Bodengefühl

Hoka, Tecton X 4, Test, review

Fazit Hoka Tecton X 4

Carbon-Trailracer gibt es inzwischen viele, doch der Hoka Tecton X 4 verfolgt schon seit Version 2 einen etwas anderen Ansatz. Statt den Schuh möglichst aggressiv und kompromisslos abzustimmen, verbindet Hoka die Carbonplatte mit einer breiten Plattform, viel Dämpfung und einer vergleichsweise kontrollierten Abstimmung. Das macht sich gerade auf längeren und technischeren Trails bemerkbar. Der Tecton X 4 bringt Tempo mit, verlangt aber nicht permanent danach, auch tatsächlich am Limit gelaufen zu werden.

Besonders interessant ist die Fersenkonstruktion. Eine klassische Fersenkappe fehlt, die Stabilität entsteht stattdessen über die hochgezogenen Seitenwände der Mittelsohle. Das ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, funktioniert aber auch in technischem Gelände erstaunlich gut. Zusammen mit der breiten Plattform und der griffigen Vibram-Sohle entsteht ein sicherer Stand, sodass sich der Tecton X 4 auch auf anspruchsvolleren Trails kontrolliert bewegen lässt.

Seine Stärke zeigt der Schuh nicht nur bei hohem Tempo. Auch über längere Distanzen bleibt er angenehm und macht durch die Kombination aus Dämpfung, Stabilität und direktem Abrollverhalten Spaß. Gerade auf abwechslungsreichen Trails spielt er seine Vielseitigkeit aus und ist deutlich weniger kompromisslos, als es seine Einordnung als Carbon-Racer vermuten lässt. Die 250 Euro UVP sind allerdings eine Ansage – dafür bekommt man allerdings einen ungewöhnlich vielseitigen Race-Schuh.

“Der Hoka Tecton X 4 ist ein schneller, vielseitiger Trailschuh, der auch im technischen Gelände erstaunlich sicher bleibt und damit deutlich mehr kann als ein klassischer Carbon-Racer.“


Herstellerdetails

  • Gewicht: 273 g (Herstellerangabe)
    Sprengung: 5 mm
    Schnürung: Schuhbänder
    Dämpfungsmaterial: PROFLY-X Dual-Layer PEBA
    Außensohle: Vibram Megagrip Litebase mit Traction Lug
    Profiltiefe: 4 mm
    Höhe Zwischensohle: 40 mm Ferse / 35 mm Vorfuß
    Membran: keine
    UVP: € 250,-

Mehr Infos zum Hoka Tecton X 4 findet ihr hier

Transparenzhinweis: Das Produkt wurde mir für diesen Test vom Hersteller zur Verfügung gestellt. Damit ist aber keinerlei Einfluss auf das Ergebnis des Tests verbunden.

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