Norda 055

Norda, 055, Test, review

Kaum ein Trailrunning-Schuh wurde in den vergangenen Monaten so gespannt erwartet wie der Norda 055. Schon lange vor seiner offiziellen Vorstellung wurde er als möglicher neuer Superschuh für Ultras gehandelt. Statt auf Carbon setzt Norda jedoch auf maximale Dämpfung, neue Materialien und einen völlig anderen Ansatz. Kann der 055 die hohen Erwartungen technisch tatsächlich erfüllen?

Der erste Eindruck

Innerhalb der Norda-Modellpalette übernimmt der 055 eine neue Rolle. Während der 005 klar in Richtung Wettkampf und Tempo entwickelt wurde, richtet sich dieser Schuh an lange Ultras und ausgedehnte Trainingseinheiten auf anspruchsvollen Trails. Auffällig sind die deutlich höhere Mittelsohle, der neu gestaltete Schaft sowie die integrierte Sockenkonstruktion im Bereich von Zunge und Kragen. Die klassische Schnürung bleibt erhalten und setzt auf strukturierte Bio-Dyneema-Schnürsenkel mit Fit-Lock-System für eine gleichmäßige Kraftverteilung. Mit einer Sprengung von 7 mm, einer Fersenhöhe von 38 mm und rund 322 Gramm (UK 9) gehört der Norda 055 zu den voluminösesten und schwereren Modelle der Marke und erweitert das Sortiment um einen konsequent auf lange Distanzen ausgelegten Trailrunning-Schuh.

Norda, 055, Test, review

Die Passform

Beim Norda 055 setzt der Hersteller auf einen vergleichsweise geräumigen Leisten mit breiter Zehenbox, während Mittel- und Rückfuß über die Konstruktion fixiert werden. Das nahtlose Obermaterial besteht aus biobasiertem Dyneema, dessen hohe Reißfestigkeit eine stabile Struktur bei geringem Materialeinsatz ermöglicht. Neu gegenüber dem 005 sind die gestrickte Zunge und der sockenähnliche Schaftabschluss. Beide Bauteile bilden eine geschlossene Einheit, verteilen den Druck der Schnürung gleichmäßiger und reduzieren gleichzeitig das Eindringen von Schmutz. Ergänzt wird die Konstruktion durch eine stärker ausgeformte Fersenkappe, die den Rückfuß zusätzlich führt und den insgesamt höheren Aufbau des Schuhs konstruktiv unterstützt.

Norda, 055, Test, review

Die Sohle

Das Herzstück des Norda 055 bildet eine vollständig aus Arnitel TPEE aufgebaute Zwischensohle. Das Material kombiniert hohe Elastizität mit geringer dauerhafter Verformung und soll seine Eigenschaften auch bei großen Temperaturunterschieden weitgehend konstant halten. Die hohe Mittelsohle besitzt eine ausgeprägte Rocker-Geometrie, welche den Abrollvorgang unterstützt und den Übergang über die gesamte Sohlenlänge erleichtert. Auf eine Carbonplatte verzichtet Norda bewusst. Stattdessen übernimmt die breite Plattform gemeinsam mit den seitlich hochgezogenen Mittelsohlenbereichen die Führung des Fußes. Für den Bodenkontakt kommt eine eigens entwickelte Vibram Megagrip Elite-Außensohle mit Litebase-Technologie zum Einsatz. Die 4 mm tiefen Stollen sind auf unterschiedlichste Untergründe ausgelegt, während Litebase die Gummischicht reduziert, um Gewicht einzusparen, ohne die Kontaktfläche wesentlich zu verändern.

Norda, 055, Test, review

Persönlicher Eindruck

Der Norda 055 ist sehr viel Schuh. Der erste Eindruck ist sofort: Wow, ist der massiv. Die Sohle ist dick, das Obermaterial robust und der Schaft hochgezogen. Der Schuh ist klar auf die Langstrecke ausgelegt – und genau das spürt man auch beim Laufen. Schon auf den ersten Kilometern zeigt die Arnitel-TPEE-Zwischensohle einen sehr angenehmen Bounce. Besonders reaktiv oder schnell ist der 055 aber nicht. Er treibt nicht nach vorne. Ganz im Gegenteil: Man fühlt sich in seiner Pace einfach wohl. Er erinnert mich dabei an einen Monstertruck. Er rollt mühelos über alles hinweg und vermittelt jederzeit ein sehr sicheres Gefühl. Gerade auf langen Läufen ist das ein großer Vorteil. Er nimmt die Spitzen der Steine komplett heraus und sorgt für einen sicheren Auftritt. Der Nachteil: Den Untergrund spürt man praktisch nicht mehr. Für Ultras ist das ein Plus, auf kürzeren Distanzen eher ein Nachteil.

Sehr gut gefällt mir auch der Grip. Den Vibram Megagrip Elite kennt man bereits vom Norda 005. Er ist über jeden Zweifel erhaben – egal ob auf trockenen Trails, nassen Steinen oder Wurzeln. Man kann sich jederzeit auf ihn verlassen. Generell vermittelt der Schuh enorm viel Sicherheit. Auch wenn die Beine müde werden, unterstützt er spürbar beim Weiterlaufen. Erwähnenswert ist außerdem die Sockenbauweise. Sie verteilt den Druck der Schnürung gleichmäßig, schließt am Knöchel sauber ab und hält kleine Steine zuverlässig draußen. Gleichzeitig ist der Schaft relativ hoch geschnitten. Das sollte man bei der ersten Anprobe unbedingt überprüfen. Auch die leicht gepolsterte Ferse verdient Aufmerksamkeit, denn je nach Fußform kann ein Druckpunkt entstehen. Das Dyneema-Obermaterial ist extrem robust und langlebig, anfangs aber eher fest. Mit der Zeit wird es etwas geschmeidiger. Der Nachteil bleibt derselbe wie schon beim 005: Dyneema ist nicht besonders luftig, wodurch der Schuh insgesamt eher warm ausfällt.

Pro&Contra

Pro: besonders ausgewogene Dämpfung, langlebig, stabile Plattform, hervorragender Grip, hochwertig
Contra: sehr hochpreisig, eher warm, eher schwer, wenig Bodengefühl

Norda, 055, Test, review

Fazit Norda 055

Für mich ist der Norda 055 definitiv der Ultraschuh unter den Ultraschuhen. Er ist für lange Distanzen gebaut – und damit meine ich wirklich lange. Nicht für 30, 40 oder 50 Kilometer. Dafür reicht auch der Norda 005. Der 055 will über 100 Kilometer, 100 Meilen oder noch mehr gelaufen werden. Bei langen Läufen, wenn die Füße müde werden, vermittelt er unglaublich viel Sicherheit, viel Stabilität und bietet ausreichend Bounce. Er hilft einem einfach und ist ein verlässlicher Partner. Er ist für mich so etwas wie die Antithese zum ASICS Metafuji Trail 2, den ich vor Kurzem vorgestellt habe. Der Metafuji will schnell sein und aufs Siegerpodest. Das ist beim Norda 055 nicht die oberste Prämisse. Er will den Läufer unterstützen, ihn sicher ins Ziel bringen und dabei möglichst viel Sicherheit vermitteln.

Ich empfinde den Schuh als großartig. Er ist aber definitiv ein Spezialist für lange Distanzen und nichts für jede Trainingseinheit. Vielmehr ist er ein echter Spezialschuh für Ultras und genau dort ist er für mich eine absolute Kaufempfehlung. Er fühlt sich großartig an, hat einen sensationellen Grip und wirkt unglaublich langlebig. Natürlich ist er wirklich teuer. Ob man so viel Geld für einen Trailrunning-Schuh ausgeben möchte, muss jeder selbst entscheiden. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass der Schuh dank des Dyneema-Obermaterials, des Dämpfungsschaums und der Vibram-Sohle so lange hält, dass sich der hohe Preis am Ende durchaus relativiert.

„Der Norda 055 ist ein kompromissloser Spezialist für Ultras, der auf maximalen Komfort, Sicherheit und Langlebigkeit über extrem lange Distanzen setzt.“


Herstellerdetails

  • Gewicht: 303 g (Herstellerangabe US 8.5 Herren)
    Sprengung: 7 mm
    Schnürung: Bio-Dyneema-Schnürung mit Fit-Lock-System
    Dämpfungsmaterial: 00 % Arnitel® TPEE
    Außensohle: Vibram® Megagrip Elite mit Litebase
    Profiltiefe: 4 mm
    Höhe Zwischensohle: 38 mm/31 mm
    Membran: keine
    UVP: € 305,-

Mehr Infos zum Norda 055 findet ihr hier

Transparenzhinweis: Das Produkt wurde mir für diesen Test vom Hersteller zur Verfügung gestellt. Damit ist aber keinerlei Einfluss auf das Ergebnis des Tests verbunden.

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